Oma und Opa im Ehrenamt: Projekt Wunschgroßeltern

Großeltern sind für Familien eine wichtige Institution - und auch für Omas und Opas selbst ist Familienanschluss wichtig. Im Berchtesgadener Land gibt es deshalb bald "Wunschgroßeltern".

Der Generationenbund Berchtesgadener Land e.V. und die Seniorengemeinschaft Berchtesgadener Land Süd e.V. haben mithilfe des Landratsamtes zwei Projekte ins Leben gerufen, die mehr sind, als bloße Nachbarschaftshilfe

Manchmal sind die Dinge ganz anders, als man sie sich vorstellt. Zum Beispiel wenn man hört, dass eine 80-jährige Dame einer 75-jährigen Demenzkranken im Alltag hilft oder sich eine 83-jährige Frau meldet, die gerne für ihre Nachbarin putzen möchte. Das sind die Geschichten, die Walter Parma, Günter Wolf und Elisabeth Lauber in ihrer Arbeit für den Generationenbund und die Seniorengemeinschaft bestätigen.
„Ein Drittel der Bewohner unseres Landkreises ist über 60 Jahre alt. Im letzten Jahr haben unsere Helfer mehr als 6.500 Stunden ehrenamtlich gearbeitet. Man sieht, bei uns im Landkreis herrscht ein reger Bedarf an Hilfeleistungen“, erzählt Walter Parma, Vorsitzender der Seniorengemeinschaft Berchtesgadener Land Süd e.V.. Zusammen mit Günter Wolf, Geschäftsführer und 3. Vorsitzender des Generationenbundes Berchtesgadener Land e.V. setzt er sich seit über sechs Jahren für die ein, die sich nicht immer selbst helfen können. Wichtig ist den beiden, die sich seit über 40 Jahren kennen und schätzen, dass nicht hinter dem Hallthurmer Berg Schluss ist. „Wir sind eine Gemeinschaft und haben alle Bedarf. Für uns gehört der ganze Landkreis zusammen und wir stehen für ein respektvolles Miteinander. Da wird niemand ausgeschlossen.“ Im Oktober diesen Jahres haben die beiden gemeinsam mit Elisabeth Lauber vom Generationenbund und auch auf Wunsch des Landratsamtes das Projekt Wunschgroßeltern gestartet.

Ein neues Projekt für mehr Zusammenhalt


Kern des Projektes ist es, Familien zu unterstützen und gleichzeitig älteren Mitbürgern eine schöne Aufgabe zu geben. „Unser Projekt richtet sich zu gleichen Teilen an junge Familien und Senioren. Es geht darum, dass einerseits die Familien entlastet werden, wenn sie zum Beispiel neu hergezogen sind und keine Familie in der Nähe haben. Zum anderen Teil möchten wir den Senioren, die vielleicht keine Enkel haben oder sich einfach so engagieren möchten, eine Möglichkeit bieten, mit Familien in Kontakt zu treten“, erzählt Elisabeth Lauber, die selbst Mutter von drei Kindern ist und deren Eltern in Rheinland-Pfalz wohnen.
Dabei ginge es um Aktivitäten wie basteln, in die Natur gehen, gemeinsam kochen und Erfahrungen auszutauschen und schließlich auch Bindungen und Freundschaften entstehen zu lassen. Die Wunschgroßeltern sollen dabei allerdings nicht die Aufgabe eines Babysitters oder Hausaufgabenbetreuers übernehmen. Vielmehr ginge es darum, Zeit gemeinsam zu nutzen und schöne Erfahrungen zu sammeln.


Interessierte Familien können sich telefonisch bei Lauber oder auch an jeder der Geschäftsstellen im Landkreis melden. Im Anschluss findet ein persönliches Treffen mit Elisabeth Lauber statt, um die Bedürfnisse beider Parteien zu erfahren. Im zweiten Schritt vermittelt Lauber die Großeltern. Umgekehrt funktioniert es, wenn sich Senioren bei Lauber melden. Um Vertrauen aufzubauen, soll es ausschließlich fixe Konstellationen geben. Während der ganzen Phase steht die Projektleiterin den Familien und Senioren zu Seite Und auch wenn eine Zusammenführung mal nicht klappen sollte, hat Elisabeth Lauber ein offenes Ohr und sucht mit den Betroffenen nach Lösungen oder neuen Großeltern und Familien. Für die Betreuung zahlen die Familien fünf Euro, vier Euro gehen an die Großeltern, ein Euro an den Verein. Beide Parteien sind zudem versichert. Beim Betrag wird außerdem auf die sozialen Hintergründe der Familie geachtet, sodass wirklich jede Familie am Projekt teilnehmen kann.


Durch die aktuelle Corona-Lage hat sich das Projekt etwas verzögert, sodass keine persönlichen Familientreffen stattfinden können. Sobald sich die Lage entspannt, will Lauber voll mit dem Projekt voll durchstarten. So lange können sich Interessierte bei ihr melden, um vorab telefonisch alles klären zu können. Die Website mit allen informationen geht Mitte Januar online.


Neue Medien forcieren


Weiter geht es auch mit dem zweiten Projekt des Landkreises: Mit finanzieller Unterstützung durch das LEADER-Programm (finanzielle Hilfe des Bayerischen Staatsministerium, um ländliche Regionen in ihrer selbstbestimmten Entwicklung zu unterstützen) riefen die beiden Vereine gemeinsam eine Plattform für Senioren ins Leben. Die Homepage www.bgl-senioren.de bietet für Mitglieder und auch Nicht-Mitglieder Informationen, Anregungen und Tipps im Alltag. Dazu gehören Ausflugs- und Veranstaltungstipps, Serviceleistungen und auch eine Liste mit wichtigen Ansprechpartnern, wie zum Beispiel den Polizeidienststellen.
„Das ist für uns ein ganz großer Schritt und ein super Service für SeniorInnen. Ich denke da zum Beispiel an den Trickbetrugsfall vom Chiemsee, bei dem eine alte Dame um 400.000 Euro gebracht wurde, weil sie auf einen Trickbetrüger hereinfiel. So etwas wollen wir vermeiden und auf unserer Website darüber aufklären“, erzählt Walter Parma und Günter Wolf ergänzt: „Passend zur Website gibt es auch eine App, mit der man zum Beispiel Anträge stellen kann. Damit wir dessen Nutzung vorantreiben, bieten wir auch Digital-Kurse für unsere Mitglieder an, um sich in der Welt der Technik besser zurechtfinden zu können. Sobald es wieder möglich ist, werden diese in regelmäßigen Abständen stattfinden. Für Fragen sind wir aber auch jetzt immer erreichbar.“


Im Fokus


Zentrales Anliegen beider Vereine ist Gemeinnützigkeit. Auch die bereits bestehende Nachbarschaftshilfe soll durch die beiden Projekte noch intensiver unterstützt werden. Dazu zählt es beispielsweise, Einkäufe zu erledigen, jemanden zum Arzt oder zum Friseur zu bringen oder aber auch bei alltäglichen Dingen beizustehen. „Viele denken, sie sind zu jung, um dem Seniorenbund. Aber gerade wenn ich fit bin ist es doch toll, dass ich Leuten helfen kann, nicht erst, wenn ich selbst Hilfe brauche,“ betont Walter Parma und ergänzt: „Wir freuen uns immer über Freiwillige Helfer, gerade in diesen Zeiten ist es wichtig, dass wir füreinander da sind.“ Aktuell ist der Generationenbund auf der Suche nach freiwilligen HelferInnen, zum Beispiel auch, um die Leute zum Impfzentrum nach Mitterfelden zu fahren.
Weitere Informationen zu den Projekten findet man auf der Website des Generationenbundes www.generationenbund-bgl.de und der Seniorengemeinschaft www.seniorengemeinschaft-bgl.de.

 

*Bildunterschrift: Oma und Opa im Ehrenamt: Projekt Wunschgroßeltern
vl. Günter Wolf (Geschäftsführer und 3. Vorsitzender des Generationenbundes Berchtesgadener Land e.V), Elisabeth Lauber (Projektleiterin Wunschgroßeltern) und Walter Parma (Vorsitzender der Seniorengemeinschaft Berchtesgadener Land Süd e.V) setzen sich gemeinsam für Senioren und Familien im Landkreis ein.


Der Artikel ist am 3.1.2021 in den Tageszeitungen des Landkreises erschienen.